Schabbern

sagte man in Ostpreußen, wenn man was zu erzählen hatte. Natürlich im ostpr. Dialekt.

 


Der Handschke

Der Handschuh

von Friedrich Schiller

(fier Ostpreißen umgearbeitet von Kardel)

 

 

 

Der Keenig Franz tat auf die Leewens lauern,

so um Kleinmittag gegen zehn,

und auf die Tigers die sich zergen sollen,

das wollt er sich von weitens mal besehn.

 

Um ihm herum da hucken sich die andern

und drängten sich zusammen aufe Bank,

aufem Balkong, wo nuscht passieren konnte

und auch e Haufen Weiber waren mang.

 

An eine Krät, das war die Kunigunde

macht forts sich einer von de Ritters ran,

 der hieß Delorsch und war von bessre Eltern,

der kuckt ihr mit de Stielchensaugen an.

 

Bloß der Dolorsch, der tat ihr nich geniegen

Dreckfrässrich wie e Weibsbild manchmal is,

kickt mit de Nasenlöcher se nach oben,

das macht ihm ziemlich viel Bekimmernis..

 

Da winkt der Keenig mittem Zeigefinger.

De Lewens merken das und hoppsen rein,

beschniffelten sich erst und simmelierten

wo denn nu bloß de Ritters megen sein.

 

Se wollten ihnen gern auf Prob zerpliesern,

das wär e mal e Essen wie Zuhaus

denn Ritterschinken gab nich alle Tage,

drum freuten se sich orndlich auf den Schmaus. 

 

Se fuchtelten vor Freide mit dem Zagel,

als wenn e Kindche kriegt e Glasbonbon.

Da plumst der Handschke vone Kunigunde,

mit eins mang ihnen runter vom Balkong.

 

Er landet inem Sand vor ihre Fieße.

Se kicken hin: "Was fällt de Leite ein?"

Der Tiger kratzt sich forts den Kopf und dachte,

"Das kann doch nich all wo e Ritter sein?"

 

Und dem Moment erfasst de Kunigunde

und sagt: "Is keiner von de Ritters hier?

Dolorsch, nun hol mal fix mir meinen Handschke

zurick, de Tierchens lauern all auf dir."

 

Der Ritter nahm das nu fier volle Wahrheit

und fast den langen Säbel mitte Faust,

dann haut er ab und schlakkert mitte Knie

und denkt: "Verflucht, dass Dir der Affe laust!"

 

Die andern taten aller ihm bedauern:

"Was hat der arme Kerl bloß fier e Pech!"

Doch wie er forsch sich mang de Lewens traute,

da blieb de Leite fast die Spucke weg.

 

Und wie er denn mit seine blanke Sporen

und seine Rüstung kam im Käfig rein,

passierte ihm rein gar nuscht, denn de Tierchens dachten,

das kann nur einer vonne Wärter sein.

 

Drum konnt er ruhig sich dem Hanschke angeln

und bracht der Kunigunde ihm zurick.

Die lächelt all von weitem ihm entgegen

und jeder dacht, nu kommt das Liebesglick.

 

Ja Prost, nu wollt er nuscht mehr von ihr wissen,

weg war die Liebessehnsucht aufe Stell,

Er tat ihr inne Fräß den Hanschke schmeißen

und sucht sich forts e andere Marjell.

 

 

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Mein Hund

(Verfasser unbekannt)

 

Ich hab zu Haus e großem Hund,
Der schläft mang meine Hiehner
Am Koppche is er Dackelmops,
Am Zagel Bernhardiener.

Er is all alt und heert nuscht mehr,
Und schielt auf beide Augen,
Drum ist er ja auch eigentlich,
Zu nuscht mehr zu gebrauchen.

Bloß eins erfillt mir immerzu,
Mit Freide und entzicken,
Weil er auf beide Augen schielt,
Kann ieber Kreiz er kicken.

Das is die einzge Eigenschaft,
Wo an ihm tut was taugen,
Was mancher mitte Fieße macht,
Das kann er mitte Augen.

Wie herrlich kann er ieber Kreiz,
Mit seine Augen gluddern!
Drum lieb ich auch mein Hundche sehr,
Und tu ihm gut betuddern.

Vor bald ein Jahr, da wolld ich mal,
Ihm inne Augen kicken,
Ich renkd mir bald de Augen aus,
Es wollt und wollt nich glicken.

Ich aber ließ nich nach und iebd,
Und da, zu meiner Freide,
Kriegd ich mit eins de Richtung raus,
Nu---schieln wir alle beide.

 

An de Muschekuh
Gesang eines ostpreußischen Hütejungen

 

Muschekuhche, nu betrachte
Ich dir all e ganze Weil,
Immer fuchtelst mittem Zagel
Rummer ummes Hinterteil.
Vorne tust aus eins du kauen,
Jedem Rulps e jalbe Stund,
Alles kaust du nache Seite,
Umme Eck und inne Rund.
Was du auf die Weide flicktest,
Butterblumen, Gras und Klee,
Sag mal, trautstes Muschekuhche,
Tut dir nich dein Maulche weh?
Mitte große, blaue Augen
Plinkerst du mir freindlich zu,
Zwischendurch riehrst mitte Ohren,
Schlackerst mittes Kopfche du.
Wenn dir auch de Fliegens stechen,
Stets bewahrst du kaltes Blut,
Anders is es, wenn e Bisswurm
Dir mit eins behoppsen tut.
Denn vergisst du foorts das Kauen,
Hebst dem Zagel inne Heh,
Und denn sockst du iebre Felder,
Durche Rieben, durchem Klee.
Halb im Bissens, halb im Kauens,
Schleppst du dir so durche Welt,
Bis der Tod dir, Muschekuche,
Hinterricks e Beinche stellt.
Und du hast es nich gesehen,
Desderwegen keiwelst hin,
Und mir piesackt denn die Trennung,
Dass ich forts ganz traurig bin.
Doch ich weiß, ich seh dir wieder,
Wenn du mir man nich vergisst,
Bloß, ich werd dir nich erkennen,
Weil du denn --- e Biefstick bist.


Amalie

 

Amalie is all vierzig Jahr,
Sie dienet trei und fleißig,
Und wenn das Friehjahr kommt ins Land,
Dann wird se neinunddreissig.

Wenn das e Weil so weitergeht,
Mit das Zurickgekuller
Dann kömmt se inne Kindheit rein
Und braucht e frischem Schnuller.

Amalie is e edler Mensch,
Behäbig, rund und speckig,
Inwendig hat se viel Gemiet,
Von draußen is se dreckig.

Wenn se sich raufhuckt aufem Stuhl,
Denn stellen wir uns neben,
Und denken, wenn se aufstehn will,
Forts rein, nu bleibt se kleben.

Amalie singt den ganzen Tag,
Mal schmalzig und mal heftig,
Se singt nich richtig, auch nich scheen,
Doch dafier laut und kräftig.

Se singt von ihrem Grenadier,
Dem kann se nich vergessen,
Und wenn se nich zu heeren is,
Dann tut se Keilchen essen.

Und mit e Schalche dicke Milch.
De Spirgels runterspielen,
Die se zuerst bepustet hat,
Um ihnen abzukiehlen.

Das Pusten is se so gewehnt,
Sonst tut es ihr nich schmecken,
Drum pust se auch de dicke Milch,
Zuerst von alle Ecken.

Amalie is e Unglicksmensch,
Das is rein nich zu sagen,
Denn was se inne Finger kriegt,
Das tut se auch zerschlagen.

Doch ob se noch so viel zerkeilt,
Se lächelt froh und heiter,
"Das schadt nuscht, Scherben bringen Glick",
Und töppert ruhig weiter.

 Amalie hat zu große Fieß,
De Schuhe tun ihr kneifen,
De Hände sind dafier zu klein,
Drum kann se schlecht begreifen.

Se findt e mal e leichten Tod,
Wenn sie ihm wird erleben;
Viel Geist hat se, das is gewiß,
Bestimmt nich aufzugeben.

Amalie hat, was wichtig is,
Auch nich emal e Kerdel,
Amalie ist mit einem Wort,
E ausgesprochne Perdel.